Kategorie-Archiv: Blickpunkt

Medienprofis kommentieren Stuttgarter Redaktionsfusion

Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten werden fusionieren: Zwei Zeitungen in einer Landeshauptstadt teilen sich ab Mai 2016 nur noch eine Redaktion. Kritiker befürchten eine weitere Reduzierung der Pressevielfalt, motiviert durch eine rein betriebswirtschaftliche Entscheidung. Mit der Unterzeichnung eines Eckpunktepapiers endeten am 07. Juli die wochenlangen Verhandlungen zwischen Geschäftsleitung und Betriebsräten. Die Online-Redaktionen von Stuttgarter Nachrichten und Stuttgarter Zeitung dagegen werden schon jetzt zusammengelegt, die Ankündigung im März erregte viel weniger Aufsehen.
Wie Medienprofis diese Fusion beurteilen, warum Print aufregt und Online unbemerkt fusioniert und welche neuen Anforderungen in einer solchen Mischredaktion entstehen habe ich mit mehreren Medienprofis besprochen:

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Karte: Zeitungen in Baden-Württemberg

In der Zeitungen_in_BW_2014_Q4 haben wir die Zeitungstitel in Baden-Württemberg und ihre jeweiligen Gesamt-Auflagen laut IVW 4-2014 (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.) aufgelistet. (s. Grafik unten)

Da diese Daten aus verschiedenen, öffentlich zugänglichen Datenbanken zusammengestellt wurden, bitten wir ggf um Korrektur oder Ergänzung: Wenn Sie einen Fehler finden oder ein Titel Ihrer Ansicht nach fehlt, so senden Sie uns bitte eine E-Mail an die Adresse post(at)kom-ma.de mit dem Betreff „Medienkonzentration“.PowerPoint-Präsentation

Angst essen Seele auf. Der Journalist und Autor Bruno Schirra auf dem baden-württembergischen Journalistentag 2015

Bruno Schirras Name war zum ersten Mal einem breiten Publikum bekannt geworden, als aufgrund eines seiner Artikel 2005, der vertrauliche Akten des Bundeskriminalamts zitierte, die Redaktionsräume des Cicero und sein Privathaus durchsucht worden waren. Gegen Schirra wurde wegen Offenbarung von Dienstgeheimnissen Anklage erhoben. Tatsächlich aber ging es bei dem Verfahren um die Pressefreiheit, nämlich um das Zeugnisverweigerungsrecht zum Informantenschutz. Die Affäre war und ist für Schirra mit negativen Auswirkungen verbunden – Hintergründe und weiterführende Informationen sind online durch unterschiedliche Quellen dokumentiert.

Bei seinem Besuch des baden-württembergischen Journalistentags war die Causa Cicero jedoch kein Thema. Vielmehr gemahnte der Islamkenner Schirra in seinem „Werkstattbericht“ unter dem Titel „Angst essen Seele auf“, wie die Angst die journalistische Seele aufesse. Mit der Aussage „Wenn Sie heute nach Syrien gehen, sind Sie morgen tot“ beschreibt er drastisch die Gefahr für Journalisten vor Ort und hat selbst erlebt: „Dreizehn meiner Freunde sind tot“. Festangestellte dürften vor Ort gar nicht mehr recherchieren und die New York Times beauftrage stattdessen junge Freiberufler, diese seien wahre „Kinder im Krieg“.

Mit den Worten „Pass auf, was Du veröffentlichst“, bedrohten salafistische Mitbürger den Autor des Buches ISIS, sie wüssten wo er wohne, nicht nur die Hausnummer sondern auch das Stockwerk und die Wohnung seiner Familie. Die Angst verändere die Menschen, führe in der Konsequenz zu einer inneren Bedrohung für unsere Pressefreiheit. „Ich bin schockiert, wie schnell die Solidarisierung mit Charlie Hebdo wieder ein Ende gefunden hat und ich bin schockiert, wie heute Kollegen fragen „Mussten sie denn gar so weit gehen?“ und damit den Opfern eine Mittäterschaft unterstellen“.

Die innere Bedrohung führe dazu, dass Themen von Redaktionen abgebügelt werden mit der Begründung, das sei ihnen zu heiß. Wie etwa die Geschichte der Kollegin, die nach der Veröffentlichung der sexuellen Übergriffe gegenüber Jugendlichen durch katholische Priester untersuchen wollte, ob ähnliches im Umfeld der Moscheen geschehe. Dieser Artikel sei nie beauftragt worden, sagt Schirra, aus Angst.

Am Ende des Journalistentags beantwortet Schirra noch ein paar kurze Fragen für den Blickpunkt

Susann Mathis: Wir haben hier heute mit vielen Facetten der Pressefreiheit zu tun, ein fehlendes Redaktionsstatut etwa ist natürlich eine wesentlich kleinere Bedrohung als Terrordrohungen gegen eine Redaktion. Erscheinen Ihnen unsere Probleme in Deutschland nicht banal?

Bruno Schirra: Sie sind mit einer anderen Realität konfrontiert als ich, aber ich behaupte, Ihre ist nicht leichter zu ertrage. Ich möchte nicht mit den Problemen eines Lokalreporters konfrontiert sein. Wenn ich mein Leben lang so dicht bei den Leuten lebe, da habe ich ganz andere Risiken auszuhalten. Von daher ist das nicht eine banale Realität, wenn über Redaktionsstatut und andere Hemmnisse gesprochen wird.

SM: Sie beschreiben, dass oft Angst die Ursache dafür ist, dass eine Geschichte nicht von der Redaktion beauftragt wird oder dass zu wenig Mittel für Recherchen bereitgestellt werden, aber wie oft ist dafür auch die Trägheit unserer Zivilgesellschaft hier in Deutschland verantwortlich, etwa wenn breite Bevölkerungsschichten sich über die Bespitzelung durch die NSA so wenig aufregen, dass sich auch die Politik nicht wirklich bemüßigt fühlt, hier zu intervenieren.

Bruno Schirra: Es ist nicht einfach, hier eine endgültige Position zu formulieren, doch ich habe die Überraschung bis zum heutigen Tag nicht verstanden, weil schon seit 30 Jahren bekannt ist, was die NSA betreibt. Hat irgendwer allen Ernstes geglaubt, die NSA würde daher die Vorteile des Internets nicht wahrnehmen? Dass der BND mit der NSA zusammenarbeitet, und — obwohl er das nicht darf — in Deutschland tätig ist, dass – unbeschadet wie die Farbe der Regierung ist – jede Regierung das weiß, und das auch will, das ist so. Die Leute wollen es nicht wahrhaben. Die Leute regen sich auf, weil sie denken, die NSA kennen ihre intimen Geheimnisse, aber gleichzeitig geben dieselben Leute bei Facebook und bei Twitter diese intimen Daten preis. Das ist eine merkwürdige Gemengelage. Die Leute sollten empört sein, täglich sollten Hunderttausende demonstrieren, doch hier herrscht das Prinzip Trägheit.

SM: Sie sagen, dass in Europa durch heimkehrende ISIS Terroristen eine verstärkte Terrorgefahr besteht, dass der Terror auch nach Deutschland kommt. Wo zwischen Angst und Trägheit stehen wir bei diesem Thema in Deutschland?

Bruno Schirra: Man wusste ja seit dem September 2001, dass es eine Terrorgefahr gibt. Die Aufmerksamkeit ist danach wieder abgeflacht, doch seit vergangenem Sommer, seit dem Aufkommen der ISIS, ist diese Gefahr wieder in das Bewusstsein der Menschen gedrungen. Plötzlich beschäftigen sich viele damit und erkennen, dass es sich um eine konkrete Gefahr handelt, die einen ganz persönlich treffen kann. Da sagen nun die Leute: Wir wollen aufgeklärt werden. Sie werden aber von unserer Profession zu wenig aufgeklärt. Die Leute beklagen sich zurecht, wenn sie sagen: Ihr Journalisten versagt hier auf ganzer Linie, wir wollen kein Alarmismus, wir wollen keine islamophobe Verdammung einer Religion. Aber die Leute erleben ein Defizit der Information, der Aufklärung, und da versagt unsere Branche.

SM: Ist das in anderen europäischen Ländern – Sie leben ja die Hälfte Ihrer Zeit in Frankreich – anders oder besser?

Bruno Schirra: Nein. Die Franzosen gehen gelassener damit um, aber die französische Presse krankt an genau demselben Syndrom wie auch die britische, lediglich die Schweizer Presse ist ein bisschen besser aufgestellt. Vielleicht liegt das daran, dass kein Land in Europa einen so hohen Ausländeranteil hat wie die Schweiz und damit auch mit den Problemen noch dichter konfrontiert ist.

Bruno Schirra stellte außerdem sein neues Buch „ISIS – Der globale Dschihad“ vor.

ISIS – der „Islamische Staat“ – hat binnen weniger Wochen das erreicht, wovon Al-Qaida immer geträumt hat. Die Bewegung verfügt über Land, unbegrenzte Finanzressourcen, willfährige Kämpfer und hat Zugang zu chemischen und biologischen Massenvernichtungswaffen. Der Terror-Anschlag auf die Redaktion der satirischen Wochenzeitung Charlie Hebdo in Paris macht auf erschütternde Weise klar: deutsche, französische oder österreichische Dschihadisten tragen den Terror auch in unsere Städte. Der Nahost-Experte Bruno Schirra ist seit 30 Jahren im Nahen und Mittleren Osten unterwegs und recherchierte vor Ort im Irak. Er benennt das Versagen des Westens, erklärt den Ursprung und die neue Qualität des Terrors und zeigt die Verbindungen zur deutschen Salafisten-Szene auf. (Aus der Verlagsankündigung)

Bruno Schirra: ISIS – Der globale Dschihad. Wie der „Islamische Staat“ den Terror nach Europa trägt, Januar 2015, Econ Verlag, 336 Seiten, € 18,00 (D) ISBN: 978-3-430-20193-39783843711241_cover

 

Global-regional-digital: Das Radio als Smartphone-Medium

Nach wie vor wird in Deutschland sehr viel Radio gehört, zunehmend auch über das Internet. Die schon gar nicht mehr so neuen Streaming-Angebote existieren nebenher und die Hörer-Bindung zu den lokalen Sendern scheint noch intakt. Das wird nur durch hohen Arbeitseinsatz der Hörfunk-Journa­listinnen und -Journalisten ermöglicht. Wer heute Radio macht, macht auch Internet und twittert und postet. Denn so geht Hörer-Bindung heute.

Die Radionutzung in Deutschland hat sich nach einem leichten Anstieg auf einem hohen Niveau eingependelt. Nach wie vor hört fast jeder in Deutschland werktags Radio – und dabei bleiben die Hörer eines Senders ihm mehr als vier Stunden lang treu (249 Minuten) wie Messungen der agma, Arbeitsgemein­schaft Mediaanalyse e.V. aus Frankfurt, zeigen. Der Mittelwert, also die durch­schnittliche Hördauer aller Bundesbür­ger wächst wieder um eine Minute, auf drei Stunden und 19 Minuten. Somit ist das Radio „das einzige klassische Me­dium, das trotz der zunehmenden me­dialen Konkurrenz auch in jungen Zielgruppen unverändert – oder sogar noch etwas stärker – genutzt wird“, sagte dazu Dieter K. Müller, Vorstand Radio der agma.

Insgesamt gibt es mehr als 390 Radio­sender in Deutschland. Davon sind 230 private und 63 öffentlich-rechtliche Ra­dioprogramme. Laut ma 2014 Radio II sind Radio NRW, Antenne Bayern und SWR 3 bundesweit die reichweiten-stärksten Radioprogramme.

Zu den beliebtesten Musikrichtungen im Radio zählen laut einer WDR-Erhebung Hits der 1990er und 2000er Jahre, die Charts von heute und Techno. Insofern bleibt auch in Baden-Württemberg SWR 3 die klare Nummer eins. Ebenfalls deutlich gewonnen hat der Jugendsender „Das Ding“: Mit einem Zuwachs von 19,9 Prozent verbesserte man sich auf 283.000 Hörer und Platz 9. Nach unten ging es hingegen für die größten Priva­ten: Antenne 1 und Radio Regenbogen.

Dabei ist das Internet ein zunehmend wichtiger Verbreitungsweg für das Radio. Gleichzeitig bekommen die Radiosender durch den Streaming-Markt eine ganz neue Konkurrenz.

Nicht nur Spotify, iTunes oder das Apple Radio, sondern auch Plattenfirmen stel­len ihre Angebote zur Verfügung. Dies veranlasst nun 140 private Radiosender aus Deutschland, ihr eigenes Streaming-Portal unter dem Namen Radioplayer aufzubauen, Vorbild ist der UK Player in Großbritannien. Verschiedene Software­entwicklungen und Apps stellen die Bri­ten dem Non-Profit Projekt zur Verfügung. Ein wichtiger Aspekt dieser Initiative: Bislang werden ihre Inhalte von Anbietern wie Radio.de oder Pho­nostar vermarktet, mit ihrem eigenen Stream in Dienst, der auch Podcasts be­inhalten soll, würden sie die digitale Ver­breitung ihrer Inhalte wieder unter eigener Regie bringen.

Aufstehn und Anschalten

Das alles mag schön und gut sein. Hat aber Radio nicht vor allem etwas damit zu tun, aufzustehen und den Knopf zu drehen oder auch auf dem Weg zur Ar­beit das Autoradio einzuschalten? Unter den aktuellen Wettbewerbsbedingungen wird diese tradierte Form des Radiohö­rens wohl eines Tages verschwinden. Das digitale Radio hat ein Modell, dem ge­genzusteuern. Es will durch „nahtlosen Empfang“ eines Senders die Hörertreue befördern: Der Sender, den man zum Frühstück eingeschaltet hatte, wird auch mit dem Autoradio weitergehört – auch wenn man das Empfangsgebiet verlässt – und steigt man man aus dem Auto aus er­reicht einen der Sender über das Smart-phone. So soll die Zukunft aussehen.

Aktuell wird Radio in Deutschland noch vor allem über die Geräteantenne gehört. Auch bringen diese technischen Voraus­setzungen eine gewisse Trägheit mit sich und sorgen für Hörertreue durch vorein-gestellte Sender und regionale Verfüg­barkeit. „Die meisten Hörer kommen immer noch über die normalen Wege wie die UKW-Frequenz oder das Kabel­netz“, sagt Simon Jägersberger, Modera­tor beim Ortenau-Hit-Radio OHR.

Das Internet sei im Moment für regio­nale oder von der Region abhängige Sen­der kein so großer Wettbewerbsfaktor: Natürlich nutzten viele dieser Hörer dann auch den Online-Stream, zum Bei­spiel an ihrem PC. Sehr viele Internet-Hörer seien aber Menschen, die früher mal in der Region des Senders gewohnt haben und weggezogen sind. Sie nutzen den Online-Stream, um über die alte Heimat auf dem Laufenden zu bleiben.

UKW verliert, wenn auch auf hohem Niveau

Dieser Eindruck wird von den aktuellen Zahlen bestätigt: UKW verliert, wenn auch auf hohem Niveau. War UKW 2013 noch für 78,6 Prozent der domi­nierende Verbreitungsweg, sank die Zahl 2014 auf 75,1 Prozent. Auch hier legten Internetradio (von 6,2 auf 9 Pro­zent) und DAB/DAB+ (von 0,5 auf 1,1 Prozent) zu. Laut den Zahlen von Teltarif. hat UKW vor allem bei jüngeren Nutzern und Hörern mittleren Alters verloren: Während die 14- bis 29­jährigen hier eher auf Internetradio um­gestiegen sind, konnte DAB/DAB+ vor allem bei 30- bis 39-jährigen zulasten der klassischen UKW-Verbreitung zu­legen.

Aus der Digitalisierung erwachsen unge­heuer viele Möglichkeiten für die Radio­sender, doch die schleichende Veränderung der Gewohnheiten birgt auch Risiken: Die Hörerinnen und Hörer haben mit ihrem Smartphone nicht ein­fach ein zusätzliches Empfangsgerät in der Hosentasche, sondern einen Strauß von Möglichkeiten, in dem das her­kömmliche Radio nur ein Angebot unter vielen ist und lernen muss, sich zu be­haupten.

Beliebte Musik-Streaming-Dienste sor­gen für unkomplizierte Hinter­grundmusik im bevorzugten Genre und dazu wird einfach das Smartphone an einen Verstärker angeschlossen. Und so hat sich der Wettbewerb massiv geändert. Radiosender konkurrieren nicht mehr mit dem Sender, der eine 10-Grad-Drehung am Frequenzknopf entfernt ist, sondern mit spezialisierten Pro­grammen. Und alle zusammen kon­kurrieren im Internet. Man kann via Internet Tausende von Radioprogram­men empfangen: Salsa direkt aus Havanna, Jazz direkt aus New Orleans, Blues direkt aus Chicago … Für jeden Wunsch gibt es spezialisierte, kompe­tente Sender.

Doch Radio ist weit mehr als nur Musik­sendungen. Und neue Medien haben schon immer die alten Medien an den Rand gedrängt. In den 1920er Jahren bewirkte das Radio, dass Zeitungen nur noch einmal pro Tag und nicht mehr, wie bis dahin üblich, mit mehre­ren Ausgaben täglich erschienen. Seine Nachrichten konnten direkt „in den Äther“ gesprochen werden und mussten nicht mehr gedruckt und ver­teilt werden.

Kontinuierlicher Informationsstrom und schneller Austausch

Heute hat das Internet die stündlichen, getakteten Nachrichten zu einem flexi­blen und kontinuierlichen Strom von Informationen  verwandelt.   Seine Verfügbarkeit rund um die Uhr hat un­sere Ansprüche erhöht und unsere Ge­duld nicht vergrößert.

Dazu kommt, dass Informationen aus den unterschiedlichsten Kanälen auf uns hereinprasseln. Ob man sich nun für eine stündlich dosierte Nachrichtentaktung aus dem Radio, eine Information-on-de-mand Lösung via Internet, das klassische Modell mit Zeitung morgens, Tagesschau abends entscheidet oder darauf wartet, dass die Social Media einem die relevan­ten Nachrichten auf das Mobiltelefon pushen, eines haben alle gemeinsam: Jede und jeder verlässt sich auf Journa­listen, die das Weltgeschehen und die lo­kalen Nachrichten für das jeweilige Medium aufbereiten, sortieren und ein­ordnen – egal ob sie sonst Hörfunk, Fernsehen oder Zeitung machen.

Zusätzlich werden diese Angebote nicht als Einbahnstraße konzipiert, sondern verlangen auch Reaktionen und Aus­tausch mit den Hörerinnen und Hörern. Für den 34-jährigen Jägersberger vom Ortenau-Hit-Radio spielen die Social Media-Angebote eine zentrale Rolle. Vor allem Facebook sei ein gutes Mittel, um mit den Hörern und ’Fans‘ in Kontakt zu kommen und zu bleiben. „Daraus erge­ben sich häufig Themen und man erfährt auch vieles über seine Hörer, weil eine di­rekte Kommunikation möglich ist. Das nutze ich häufig, um eine engere Bin­dung zum Hörer aufbauen zu können.“

Günther Laubis ist seit den frühen Neun­zigern beim SWR. Er arbeitet in ver­schiedenen Schichten, da er sowohl für SWR Info, für SWR3 und für SWR2 tätig ist. Beim Radio zu arbeiten war schon immer sein Traum, seit er als Jugendli­cher gemeinsam mit seinen Freunden die ersten Piratensender gemacht hat. Doch der Traumjob hat mit seinen wechseln­den Schichten auch eine Kehrseite, seine Freunde sagen: „Du arbeitest doch so­wieso immer.“

Auch für Laubis spielen die sozialen Me­dien eine große Rolle. „Für Twitter haben wir nun eine extra Redaktionsabteilung gegründet, in der sich zwei Kollegen aus­schließlich um relevante Twitter-Mel-dungen kümmern und unsere eigenen Tweets absetzen.“ Denn Redakteure heute hätten nicht mehr nur die täglich etwa 3.000 Agenturmeldungen und die Korrespondentenberichte im Blick, son­dern darüber hinaus auch das Hörer-Feedback und Twitter und Facebook. „Denn wer heute Nachrichtensendungen macht, muss wissen, was zu einem be stimmten Thema in den sozialen Medien diskutiert wird.“ Und so habe sich durch das Internet die tägliche Arbeit der Nach­richtenredakteure stark verändert, erläu­tert Laubis: „Bisher war es ihre Arbeit, Nachrichten für die nächste Sendung zu schreiben. Jetzt aber gibt es Twitter und Facebook und besonders wichtige Mel­dungen werden also nicht erst zur nächs­ten vollen Stunde recherchiert und geschrieben, sondern zusätzlich zeitnah, zielgruppengerecht und entsprechend der dort möglichen Form für Twitter und Facebook geschrieben und darüber aus­gespielt.“

Journalisten schaffen die beliebtesten Informationsquellen

Diese Sorgfalt wird belohnt. Die belieb­testen Informationsquellen im Internet sind laut einer Bitkom-Untersuchung Webseiten von Radio- und TV-Sendern. Die Hälfte der Internetnutzer (49 Pro­zent) greift darauf zurück, darunter am häufigsten Personen im Alter zwischen 14 und 29 Jahren (61 Prozent). Damit rangieren die Seiten von Radio und Fern­sehen noch vor den Webseiten von Ta­geszeitungen und politischen Magazinen, die von 42 Prozent bevorzugt konsultiert werden. Nach Laubis Ansicht bietet die Digitalisierung gewaltige Vorteile für den Hörfunk, das Problem sei nur, „dass wir für die zusätzliche Arbeit – aus meiner Sicht – dringend zusätzliche Fachkräfte brauchen. Was in Zeiten der sehr engen finanziellen Ressourcen sicher ein Pro­blem darstellt.“ Einer der großen Vorteile dagegen seien die Mediatheken. Ein gro­ßer Gewinn sei, dass sich die eigene Ar­beit nicht mehr so versendet. So kann jemand, der einer Sendung vielleicht nur mit halbem Ohr lauschen konnte, später noch mal alles im Detail nachhören und so wird auch die eigene Arbeit besser ge­würdigt. „In vielen Beiträgen steckt sehr viel Herzblut und es ist schade, wenn sie nur einmal laufen“, sagt Laubis und fügt an: „Ich fände es auch gut, wenn man die Nachrichten nicht nur nachhören, son­dern auch nachlesen könnte auf unserem Internetauftritt.“ Und auch Jägersberger schätzt die Podcasts, auch wenn sie sei­ner Ansicht nach im Lokalradio nicht so häufig genutzt würden wie vielleicht die Angebote überregionaler Anbieter. Aber trotzdem: „Häufig sind Podcasts eine Möglichkeit für Interviewpartner und deren Freunde und Bekannte, ihren Auf­tritt im Radio einfach noch mal nachzuhören.“

Im Mannheimer Technikmuseum „TECHNOSEUM“ entsteht eine der be­deutendsten Sammlungen zur Rund­funk- und Mediengeschichte. In Zukunft wird man sich in Mannheim vor den un­zähligen Radioempfängern retten müs­sen. Die Extra-Geräte braucht man nicht mehr, um Radio zu hören. Heute reicht der PC, das Tablet, das Smart-TV oder eben das Smartphone. Schön praktisch, dass man nur noch ein kleines Gerät braucht und damit sowohl Radio hören, fernsehen, Musik streamen, Briefe schrei­ben, Fotos sortieren, sein Aktiendepot verfolgen und Nachrichten twittern und posten kann. Und diese kleinen elektroni chen Geräte haben eine ungeheure Überzeugungskraft: Laut einer Bitkom-Untersuchung nutzt in Deutschland gut jeder Zweite ab 14 Jahren ein Smartphone (55 Prozent). Vor einem Jahr waren es erst 41 Prozent der Bevöl­kerung.

In Zukunft werden all die vielen ver­schiedenen Journalistinnen und Journa­listen von den unterschiedlichsten Medien mit den unterschiedlichsten Kompetenzen auf ein- und demselben handtellergroßen Bildschirm um die Aufmerksamkeit der Rezipienten kon­kurrieren und, wenn möglich, in Dialog mit ihnen treten. Wer wissen will, wie das weitergeht, für den hat der bekannte Me­dientheoretiker Marshall McLuhan einen Hinweis, den er schon lange vor der Ent­wicklung von Smartphones formuliert hat: „Wir formen unsere Werkzeuge, und dann formen die Werkzeuge uns.“ So oder so, wir haben es (im wahrsten Sinne) in der Hand.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blickpunkt 3-2014: Global-regional-digital — Das Radio als Smartphone-Medium

BP 3-2014Nach wie vor wird in Deutschland sehr viel Radio gehört, zunehmend auch über das Internet. Die schon gar nicht mehr so neuen Streaming-Angebote existieren nebenher und die Hörer-Bindung zu den lokalen Sendern scheint noch intakt. Das wird nur durch hohen Arbeitseinsatz der Hörfunk-Journalistinnen und -Journalisten ermöglicht. Wer heute Radio macht, macht auch Internet und twittert und postet. Denn so geht Hörer-Bindung heute. PDF

Lassen Sie nur, das kann doch die Maschine schreiben

Als in den vergangenen Wochen unter dem Label „Roboterjournalismus“ die Meldung durch die Medien ging, dass sich die einfachen Texte nun von selber schreiben, war die Aufregung groß. „Mein Chef ist ein Computer“, titelte etwa das Handelsblatt und berichtete, dass noch diesen Sommer die Stuttgarter Kommunikationsagentur Aexea ein Sportportal starten will, das ganz ohne Journalisten auskommt: Statt Menschen lieferten hier automatische Computerprogramme die Texte. Wer sich daraufhin aber über die Arbeitsplatzvernichtung echauffierte, war bei Saim Rolf Alkan, dem Geschäftsführer der Aexea GmbH an der falschen Adresse. „Wir haben bislang noch keinen Textautomaten an eine Zeitung geliefert“, für die Schieflage von Zeitungen seien immer noch verlegerische Fehlleistungen verantwortlich.

Mai 2014

Der gebürtige Remstäler Saim Rolf Alkan, 45, war früher selber Journalist bei der Motorpresse Stuttgart, dann machte er sich mit einem Redaktionsbüro selbstständig und erlebte den Preisverfall journalistischer Leistungen nach der Jahrtausendwende am eigenen Leib: Als die gedruckten Medien ihren letzten Aufschwung erlebten, sei ein Text mit 400 Wörtern noch mit 400 DM honoriert worden. Dann kam der Absturz mit Dienstleistern wie content.de oder textbroker.de. Rapide seien die Preise gefallen, heute könne man einen solchen Text schon für vier bis acht Euro haben. Als die Billigtexte den Markt überfluteten, wusste Alkan nicht mehr, wie er unter diesen Umständen weiter die Gehälter seiner Angestellten zahlen sollte. Im Lehrbuch des Kapitalismus fand er den Ausweg „Automatisierung“. Die Idee zur automatischen Textgenerierung in Deutschland war geboren. Was in den USA das Unternehmen „Narrative Science“, gegründet von drei Professoren für Informatik und Journalismus, Stuart Frankel, Kris Hammond und Larry Birnbaum, anbot, sollte nun auch in Deutschland verfügbar sein. Was aber ist dran an diesem Medien-Science-Fiction? Zunächst mal: schon ganz schön viel Realität und Wissenschaft, zur Fiktion kommen wir später. Narrative Science liefert dem US-amerikanischen Wirtschaftsmagazin „Forbes“ Texte zu Unternehmensentwicklungen, die dieses in einem eigenen Blog publiziert.

Die deutsche Grammatik stellt hohe Anforderungen an die Textautomaten. Ausgerechnet in der Hauptstadt des Bundeslandes, das für sich reklamiert, alles außer Hochdeutsch zu können, sitzt mit der Firma Aexea einer der aktuell erfolgreichsten Player auf diesem Gebiet in Deutschland. Zum einen können sie Texte in sieben verschiedenen Sprachen generieren, zum anderen haben sie ein eigenes regelbasiertes System entwickelt, mit dem sie auch ungewöhnliche Daten zu einer Meldung verarbeiten können. Andere Anbieter, so Alkans Aussage, könnten Daten und Fakten nur innerhalb eines bekannten Systems einordnen, die Software von Aexea dagegen wüsste auch mit der Tatsache etwas anzufangen, wenn in Stuttgart zur größten allgemeinen Verwunderung im Sommer 45°C herrschten. „In Baden-Württembergs Landeshauptstadt außergewöhnlich große Hitze. Ist der Klimawandel schuld?“ könnte dann ihre Maschine schreiben. Erfahrungen hat Aexea bislang vor allem mit Produkttexten im Bereich E-Commerce gesammelt. „Roboterjournalismus“, so möchte Alkan sein Angebot gar nicht nennen, er bevorzugt den Begriff „semantische Technologie“.

Auch das Unternehmen text-on bietet an, abstrakte Daten zu verständlichen Texten zu verarbeiten und einfach lesbare Zusammenfassungen zu liefern. „Heute sind zu fast jeder gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung umfangreiche Datensammlungen verfügbar, aber nur mit erheblichen zeitlichen und personellen Ressourcen lassen sich daraus schnell nachvollziehbare, gewichtete Zusammenfassungen und Entscheidungshilfen machen“, schreiben die Macher auf ihrer website. Deren Geschäftsführer und Gesellschafter Cord Dreyer startete seine berufliche Karriere bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa), und leitete nach einigen weiteren Stationen die dapd Nachrichtenagentur GmbH in Berlin, bis er sich schließlich 2012 als Berater selbstständig machte.

Reportagen, Features, Portraits und Interviews werden sicher nicht in absehbarer Zeit von Algorithmen erstellt werden. Johannes Sommer, Geschäftsführer des Berliner Technologiedienstleisters Retresco erläutert in einem Interview, dass die natürlichen Grenzen in Stilmitteln wie Sarkasmus, Ironie oder Sprachspielen lägen, diese besonderen Feinheiten und Brüche in der Sprache könne die Maschine weder erkennen noch produzieren. Dass ein Verlag in naher Zukunft fünf Redakteure durch eine Software ersetzen könnte, hält er für Unfug. Doch er fordert: „Journalisten müssen sich mit den neuen Technologien auseinandersetzen, um sie zu verstehen. Erst dann können sie Grenzen ziehen, sich positionieren und sie gezielt zu ihrem Vorteil einsetzen“. Das versteht man besser, wenn man weiß, dass Retresco schon heute die Grenzen mit Hilfe semantischer Lösungen verwischt. Einige davon nutzt der Online-Auftritt swp.de der Südwestpresse, etwa das Geotagging (Leser erhalten gezielt Nachrichten aus ihrem Ort) oder die mit Hilfe semantischer Technologien automatisch erstellten Dossierseiten.

Spezialität: Der individualisierte Text

Was die Computer also jetzt schon können, ist das Übernehmen von Routinen. Auf diese Idee sind natürlich die Informatiker gekommen. Es ist ihr Job, Lösungen für wiederkehrende Probleme zu schaffen. Und da sie nun auch öfter in den Redaktionen anzutreffen sind, entwickeln sie auch Lösungen, wie man jeden Tag einen neuen Wetterbericht bekommt. Statt täglich einen Wetterbericht selber zu schreiben, programmiert der Softwareentwickler einen Algorithmus, der jeden Tag diesen Wetterbericht für ihn schreibt. Die Daten werden sowieso schon vom Computer ausgewertet, da ist es nur ein kleiner Schritt, sie auch von einem Computer zusammenfassen zu lassen. Und wenn wir schon mal beim Wetterbericht sind, können wir da noch einen Schritt weiter gehen und die Vorhersage auf individuelle Bedürfnisse zuspitzen.

Alkan erläutert: „Ein Leser einer Zeitung oder eines Onlineportals kann mit seinem Profil seinen Wohnort hinterlegen, vielleicht auch ein paar Eckdaten: er hat ein Auto, einen Hund, zwei Kinder und lebt im Gebirge. Aufgrund dieser Informationen können wir ihm einen hyperlokalen Wetterbericht zusammenstellen, in dem wir ihn darauf hinweisen, wenn es ratsam wäre, die Winterreifen aufzuziehen.“

Also Texte für die individuelle Lebenssituation des Lesers und hyperlokale Nachrichten. Die Unternehmen sehen aber auch große Chancen darin, mit ihren Angeboten so genannte Nachrichtenlücken zu schließen, etwa mit Sportergebnissen der Kreisliga wie dem Spielergebnis SV Bonlanden gegen den 1. FC Frickenhausen. Ein weiteres Anwendungsgebiet wäre die Finanzkommunikation über Außenseiter-Papiere – so bekommt ein Anleger einer südafrikanischen Silbermine einen lesbaren Text in ganzen Sätzen über seine Werte. Bislang stehen für solche Leser-Bedürfnisse keine journalistischen Kapazitäten zur Verfügung. Die Journalisten brauche man dennoch weiterhin, wird beteuert. Denn sie besuchen die Bürgerversammlung, nehmen politische Bewertungen vor, beschreiben, was sie gesehen haben. Die Maschine ist zu einem subjektiven Eindruck nicht in der Lage. Tatsächlich sei sie eine Ergänzung in der Redaktion, aber kein Ersatz für einen Redakteur.

Eine Ergänzung, die aber einen ganzen Strauß von Phantasien beflügelt. Der Aexea Geschäftsführer Saim Alkan schwärmt von der Verknüpfung großer Mengen individueller Daten zu einer kollektiven Emotion. Etwa wenn die Smartphones der Zukunft sowieso Daten über den Gesundheitszustand an den Arzt senden, so könnte diese Information zu Blutdruck oder Herzfrequenz noch ganz anders genutzt werden. Gekoppelt an die Aufzeichnung eines Fußballspiels würde der Herzschlag vieler Fans signalisieren, wenn die Spannung steigt. Der Reporterautomat wäre gewarnt. Ein trainierter Algorithmus für die Radioberichterstattung würde sofort seine Sätze verkürzen, seine Stimmlage erhöhen und Atemlosigkeit simulieren, bis zum Toooooooor! Toooooooor! Toooooooor!.

Wie das funktioniert

Es handelt sich noch nicht mal um einen niedlichen kleinen Roboter mit großen Augen, geschickten Fingern und einem anrührenden Wackelgang. In Wirklichkeit sind es nur Algorithmen, die aus Daten in Sekundenschnelle Artikel generieren. Das ist heute schon Realität, bei einfachen Meldungen kann man nicht herausfinden, ob der Text von einem Menschen oder von einer Maschine geschrieben wurde (s. unten). Schließlich geht es hier nicht um Literatur aus einer Edelfeder, sondern um austauschbare Allerweltstexte. Machen wir uns nichts vor, auch Journalisten verwenden für diese Art von Text oft die immer gleichen Textbausteine.

Zentral ist die Geschwindigkeit: Die vom Computer verfassten Texte stehen ruckzuck im Netz, da muss kein Journalist geweckt werden, kein Kaffee gekocht, kein Verb gesucht und keine Überschrift von Hand formatiert werden. Und wer als Erster meldet, kriegt viele Klicks. In diesem Sinne muss „Verständlichkeit“ neu definiert werden, denn in erster Linie geht es ja darum, dass diese von Computern verfassten Texte von anderen Computern schnell gefunden werden.

Die Grundlage für jede Textmaschine sind strukturierte Daten. Wenn keine Daten vorliegen ist es unmöglich, etwas zu automatisieren. Wenn es sich um eine semantische Automatisierung handelt, dann ist die Maschine hier auch in der Lage, diese Daten zu bewerten. Algorithmen sind beispielsweise bereits in der Lage, selbständig zu erkennen, ob eine Firma im vergangenen Jahr Gewinn gemacht hat, ob dies dem Trend der letzten Jahre entspricht und wie sich das Unternehmen im Vergleich zur Konkurrenz entwickelt hat. Einen Computer muss man allerdings auch auf einfache Texte thematisch vorbereiten. Die Fachbegriffe lauten hier „Semantik“ und „Ontologie“. Wissen kann nur mithilfe von Semantik vermittelt werden. Semantik nennt man die Bedeutung einer Informationsfolge – der Computer muss also „gelernt“ haben, dass die Buchstabenfolge K-I-E-F-E-R den einzigen beweglichen Knochen am Kopf bezeichnet – und einen Nadelbaum benennt. Welcher von beiden Bereichen zutrifft – Skelett oder Nadelbaum – definiert die gewählte Ontologie, sie gibt die Bedeutungen und den passenden Wortschatz vor. Ein großer Teil der Arbeit besteht also darin, Wissen explizit für die Maschinen verständlich zu machen. Daraus kann dann der Computer blitzschnell Texte in großen Mengen herstellen. Seine Server, sagt Alkan, könnten theoretisch über 3,5 Millionen Texte pro Tag verfassen. Aexea und eine Konkurrenzfirma seien derzeit daran, ihre Algorithmen so zu verfeinern, dass – wie sie hoffen – auch deutschsprachige Nachrichtenportale ihre Dienste in Anspruch nehmen wollen.

Die Maschine trainieren

„Die größte Schwierigkeit bestand tatsächlich darin, die grammatischen Regeln zu hinterlegen“, beschreibt Alkan. „Denn wir machen ja keine Synonymmaschine, wo wir Adjektiv gegen Adjektiv oder Verb gegen Verb ersetzen, sondern wir fügen Daten über eine Grammatikmaschine so aneinander, dass sich ein tatsächlicher Text entwickelt, der einen Mehrwert beinhaltet, und den ein Leser auch tatsächlich nicht von von einem von Menschen geschriebenen Text unterscheiden kann.“

Ein Satz sagt mehr als eine Grafik

Cord Dreyer, der ehemalige Chef von dapd, und Gründer des Startup-Unternehmens „Text-On“ will „Texte anbieten, die den Menschen helfen, die Welt besser zu verstehen“. Dabei geht es seiner Ansicht nach darum, dass man Datenmaterial, welches ja sehr häufig die Basis für Erkenntnisse ist, mit einem Computerprogramm auswertet und in einem zweiten Schritt das versprachlicht, also vertextet. Sein erklärtes Ziel lautet, den Menschen mehr an die Hand zu geben, als diese Datenwüsten wie sie von Excel oder ähnlichen Programmen bereitgestellt werden, ermöglichen. Ganze Sätze erläutern komplexe Sachverhalte besser als eine Grafik.

Ursprünglich sind Zeitungen aus dem Bedarf nach genau dieser schnellen und nüchternen Information entstanden, nämlich weil die Wirtschaft Nachrichten über Schiffsuntergänge, politische Krisen oder den Ausbruch von Kriegen brauchte. Im Mittelalter übernahmen von Hand abgeschriebene Kaufmannsbriefe diese Aufgabe. Die ersten gedruckten Zeitungen erschienen dann zu Beginn des 17. Jahrhunderts, wie es hieß: „Zur befürderung unnd gewinnung der Zeit“, die sonst mit „Abschreiben“ verbracht worden war. Sukzessive kamen dann zur Nachrichtenproduktion neue Formate wie Leitartikel, Reportagen, Kommentare, Portraits, Glossen und Interviews hinzu.

Mit Hilfe der schreibenden Algorithmen sollen Journalisten genau dafür wieder mehr Zeit gewinnen: vielschichtige Zusammenhänge recherchieren und beschreiben, statt schnöde Nachrichten produzieren. Das wäre schön. Theoretisch. Wahrscheinlich kriegen wir aber in Zukunft noch mehr austauschbare Nullachtfünfzehntexte serviert, weil sie in Sekundenbruchteilen produziert werden können und viele Verleger und Content-Manager diese Algorithmen nutzen, die weder Gehalt noch Krankenversicherung brauchen und trotzdem viele irgendwie verständliche Sätze auf die Seiten bringen.

Beispiel für einen personalisierten Wetterbericht von Axea

Das Wetter in Stuttgart am 21.5.2014

Personalisiert für alleinstehenden Berufstätigen, der gerne Sport macht, Freunde trifft, sein Auto liebt und einen Garten hat.

T-Shirt und Sonnenbrille

Der Mittwoch ist ein guter Tag für alle Stuttgarter und Stuttgart-Besucher. Die Sonne hat sich angekündigt und wird ohne Ausnahmen von morgens bis abends ein wärmender Begleiter sein. Die Temperaturen klettern erstmals in diesem Jahr auf über 25 Grad Celsius.
Schon am Morgen dürfte bei rund 20 Grad die Kleiderwahl leichtfallen: T-Shirt, kurze Hosen, Kleid, Sonnenbrille. Der Wind spielt heute keine Rolle, umso wärmer fühlt sich dieser Mittwoch an. Auch Wolken werden Sie keine am Himmel finden. Das heißt für alle, die sich heute viel im Freien aufhalten: Sonnencreme nicht vergessen!
Nur mäßiger Pollenflug Allergiker können das schöne Wetter ebenfalls genießen. Allenfalls Gräserpollen fliegen in diesen Tagen durch Stuttgart. Der nahezu nicht vorhandene Wind hilft jedoch, so bleibt die Belastung für Betroffene auf leichtem Niveau.

Perfekte Bedingungen für aktive Stuttgarter

Die Temperaturen kühlen auch nach 18 Uhr nicht schlagartig ab. Gute Voraussetzungen also für einen Besuch im Biergarten zum Feierabend. Erst ab 22 Uhr fällt das Thermometer unter 15 Grad Celsius. Wer lange aushält, darf den Pullover also nicht vergessen.

Wer es gerne sportlicher möchte, der kann sich in den Abendstunden auf perfekte Bedingungen freuen: Fußball, Tennis, Laufen, Radfahren Schwitzen im Freien hat unter klimatischen Gesichtspunkten heute keinerlei negative Nebenwirkungen. Die Ozonbelastung bleibt unter den gefährlichen Grenzwerten. Auf künstliche Beleuchtung können Sie inzwischen bis 20.30 Uhr verzichten. Die Sonne verabschiedet sich heute erst um 21.26 Uhr.

Denken Sie an Ihre Pflanzen

Auch in den kommenden Tagen wird sich die Sonne gegen Wolken, Wind und Regen durchsetzen. Denken Sie aus diesem Grund an Ihre Pflanzen, die im Gegensatz zu uns nicht immer auf Niederschlag verzichten können. Auch Ihr Auto freut sich über Pflege. Da die kommenden Tage trocken bleiben, können sie sich am Ergebnis auch länger erfreuen.