Kategorie-Archiv: Interview

Medienprofis kommentieren Stuttgarter Redaktionsfusion

Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten werden fusionieren: Zwei Zeitungen in einer Landeshauptstadt teilen sich ab Mai 2016 nur noch eine Redaktion. Kritiker befürchten eine weitere Reduzierung der Pressevielfalt, motiviert durch eine rein betriebswirtschaftliche Entscheidung. Mit der Unterzeichnung eines Eckpunktepapiers endeten am 07. Juli die wochenlangen Verhandlungen zwischen Geschäftsleitung und Betriebsräten. Die Online-Redaktionen von Stuttgarter Nachrichten und Stuttgarter Zeitung dagegen werden schon jetzt zusammengelegt, die Ankündigung im März erregte viel weniger Aufsehen.
Wie Medienprofis diese Fusion beurteilen, warum Print aufregt und Online unbemerkt fusioniert und welche neuen Anforderungen in einer solchen Mischredaktion entstehen habe ich mit mehreren Medienprofis besprochen:

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Angst essen Seele auf. Der Journalist und Autor Bruno Schirra auf dem baden-württembergischen Journalistentag 2015

Bruno Schirras Name war zum ersten Mal einem breiten Publikum bekannt geworden, als aufgrund eines seiner Artikel 2005, der vertrauliche Akten des Bundeskriminalamts zitierte, die Redaktionsräume des Cicero und sein Privathaus durchsucht worden waren. Gegen Schirra wurde wegen Offenbarung von Dienstgeheimnissen Anklage erhoben. Tatsächlich aber ging es bei dem Verfahren um die Pressefreiheit, nämlich um das Zeugnisverweigerungsrecht zum Informantenschutz. Die Affäre war und ist für Schirra mit negativen Auswirkungen verbunden – Hintergründe und weiterführende Informationen sind online durch unterschiedliche Quellen dokumentiert.

Bei seinem Besuch des baden-württembergischen Journalistentags war die Causa Cicero jedoch kein Thema. Vielmehr gemahnte der Islamkenner Schirra in seinem „Werkstattbericht“ unter dem Titel „Angst essen Seele auf“, wie die Angst die journalistische Seele aufesse. Mit der Aussage „Wenn Sie heute nach Syrien gehen, sind Sie morgen tot“ beschreibt er drastisch die Gefahr für Journalisten vor Ort und hat selbst erlebt: „Dreizehn meiner Freunde sind tot“. Festangestellte dürften vor Ort gar nicht mehr recherchieren und die New York Times beauftrage stattdessen junge Freiberufler, diese seien wahre „Kinder im Krieg“.

Mit den Worten „Pass auf, was Du veröffentlichst“, bedrohten salafistische Mitbürger den Autor des Buches ISIS, sie wüssten wo er wohne, nicht nur die Hausnummer sondern auch das Stockwerk und die Wohnung seiner Familie. Die Angst verändere die Menschen, führe in der Konsequenz zu einer inneren Bedrohung für unsere Pressefreiheit. „Ich bin schockiert, wie schnell die Solidarisierung mit Charlie Hebdo wieder ein Ende gefunden hat und ich bin schockiert, wie heute Kollegen fragen „Mussten sie denn gar so weit gehen?“ und damit den Opfern eine Mittäterschaft unterstellen“.

Die innere Bedrohung führe dazu, dass Themen von Redaktionen abgebügelt werden mit der Begründung, das sei ihnen zu heiß. Wie etwa die Geschichte der Kollegin, die nach der Veröffentlichung der sexuellen Übergriffe gegenüber Jugendlichen durch katholische Priester untersuchen wollte, ob ähnliches im Umfeld der Moscheen geschehe. Dieser Artikel sei nie beauftragt worden, sagt Schirra, aus Angst.

Am Ende des Journalistentags beantwortet Schirra noch ein paar kurze Fragen für den Blickpunkt

Susann Mathis: Wir haben hier heute mit vielen Facetten der Pressefreiheit zu tun, ein fehlendes Redaktionsstatut etwa ist natürlich eine wesentlich kleinere Bedrohung als Terrordrohungen gegen eine Redaktion. Erscheinen Ihnen unsere Probleme in Deutschland nicht banal?

Bruno Schirra: Sie sind mit einer anderen Realität konfrontiert als ich, aber ich behaupte, Ihre ist nicht leichter zu ertrage. Ich möchte nicht mit den Problemen eines Lokalreporters konfrontiert sein. Wenn ich mein Leben lang so dicht bei den Leuten lebe, da habe ich ganz andere Risiken auszuhalten. Von daher ist das nicht eine banale Realität, wenn über Redaktionsstatut und andere Hemmnisse gesprochen wird.

SM: Sie beschreiben, dass oft Angst die Ursache dafür ist, dass eine Geschichte nicht von der Redaktion beauftragt wird oder dass zu wenig Mittel für Recherchen bereitgestellt werden, aber wie oft ist dafür auch die Trägheit unserer Zivilgesellschaft hier in Deutschland verantwortlich, etwa wenn breite Bevölkerungsschichten sich über die Bespitzelung durch die NSA so wenig aufregen, dass sich auch die Politik nicht wirklich bemüßigt fühlt, hier zu intervenieren.

Bruno Schirra: Es ist nicht einfach, hier eine endgültige Position zu formulieren, doch ich habe die Überraschung bis zum heutigen Tag nicht verstanden, weil schon seit 30 Jahren bekannt ist, was die NSA betreibt. Hat irgendwer allen Ernstes geglaubt, die NSA würde daher die Vorteile des Internets nicht wahrnehmen? Dass der BND mit der NSA zusammenarbeitet, und — obwohl er das nicht darf — in Deutschland tätig ist, dass – unbeschadet wie die Farbe der Regierung ist – jede Regierung das weiß, und das auch will, das ist so. Die Leute wollen es nicht wahrhaben. Die Leute regen sich auf, weil sie denken, die NSA kennen ihre intimen Geheimnisse, aber gleichzeitig geben dieselben Leute bei Facebook und bei Twitter diese intimen Daten preis. Das ist eine merkwürdige Gemengelage. Die Leute sollten empört sein, täglich sollten Hunderttausende demonstrieren, doch hier herrscht das Prinzip Trägheit.

SM: Sie sagen, dass in Europa durch heimkehrende ISIS Terroristen eine verstärkte Terrorgefahr besteht, dass der Terror auch nach Deutschland kommt. Wo zwischen Angst und Trägheit stehen wir bei diesem Thema in Deutschland?

Bruno Schirra: Man wusste ja seit dem September 2001, dass es eine Terrorgefahr gibt. Die Aufmerksamkeit ist danach wieder abgeflacht, doch seit vergangenem Sommer, seit dem Aufkommen der ISIS, ist diese Gefahr wieder in das Bewusstsein der Menschen gedrungen. Plötzlich beschäftigen sich viele damit und erkennen, dass es sich um eine konkrete Gefahr handelt, die einen ganz persönlich treffen kann. Da sagen nun die Leute: Wir wollen aufgeklärt werden. Sie werden aber von unserer Profession zu wenig aufgeklärt. Die Leute beklagen sich zurecht, wenn sie sagen: Ihr Journalisten versagt hier auf ganzer Linie, wir wollen kein Alarmismus, wir wollen keine islamophobe Verdammung einer Religion. Aber die Leute erleben ein Defizit der Information, der Aufklärung, und da versagt unsere Branche.

SM: Ist das in anderen europäischen Ländern – Sie leben ja die Hälfte Ihrer Zeit in Frankreich – anders oder besser?

Bruno Schirra: Nein. Die Franzosen gehen gelassener damit um, aber die französische Presse krankt an genau demselben Syndrom wie auch die britische, lediglich die Schweizer Presse ist ein bisschen besser aufgestellt. Vielleicht liegt das daran, dass kein Land in Europa einen so hohen Ausländeranteil hat wie die Schweiz und damit auch mit den Problemen noch dichter konfrontiert ist.

Bruno Schirra stellte außerdem sein neues Buch „ISIS – Der globale Dschihad“ vor.

ISIS – der „Islamische Staat“ – hat binnen weniger Wochen das erreicht, wovon Al-Qaida immer geträumt hat. Die Bewegung verfügt über Land, unbegrenzte Finanzressourcen, willfährige Kämpfer und hat Zugang zu chemischen und biologischen Massenvernichtungswaffen. Der Terror-Anschlag auf die Redaktion der satirischen Wochenzeitung Charlie Hebdo in Paris macht auf erschütternde Weise klar: deutsche, französische oder österreichische Dschihadisten tragen den Terror auch in unsere Städte. Der Nahost-Experte Bruno Schirra ist seit 30 Jahren im Nahen und Mittleren Osten unterwegs und recherchierte vor Ort im Irak. Er benennt das Versagen des Westens, erklärt den Ursprung und die neue Qualität des Terrors und zeigt die Verbindungen zur deutschen Salafisten-Szene auf. (Aus der Verlagsankündigung)

Bruno Schirra: ISIS – Der globale Dschihad. Wie der „Islamische Staat“ den Terror nach Europa trägt, Januar 2015, Econ Verlag, 336 Seiten, € 18,00 (D) ISBN: 978-3-430-20193-39783843711241_cover

 

Im Gehirn des Kraftwerks. Softwareentwicklung bei Siemens am Standort Karlsruhe

Wer Siemens hört, denkt an Turbinen, Wäschetrockner oder Röntgengeräte, aber nicht an Software, zumindest nicht sofort. Dennoch arbeiten weltweit etwa 18.000 Software-Entwickler bei dem Technologiekonzern. Der Standort in Karlsruhe ist ein Zentrum für Prozessautomatisierung, Fertigungsautomatisierung, Gebäudeautomatisierung und Industrial Services. Im Siemens Industriepark sprechen Steffen Wagner und Klaus Baumgartner mit dem VKSI Magazin über die „Softwareschmiede Siemens“.

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Ich bereue nichts. Ein Projekt über die NSA und Edward Snowden am Badischen Staatstheater

Ich bereue nichts

Ein Stück über Edward Snowden am Badischen Staatstheater
Interview mit dem Dramaturg und Autor Konstantin Küspert

In einer der ersten Szenen kommt der Schauspieler nackt auf die Bühne, vor sich trägt er einen Bildschirm. Vielleicht sei das ja das Bild der totalen Überwachung, spricht er ins Publikum, denn in der Vorbereitung des Stückes habe der Regisseur ihn nicht nur gezwungen, sich selbst auszuziehen, sondern auch, seine Google Daten hacken zulassen. Anschaulich zeigt er, was man aus seinen Daten herauslesen kann. Detailliert erläutert er dem Publikum, was man auf diese Weise über sein Leben erfahren kann. Termine2013-09-17 14.38.16

Susann Mathis: Das Theater erscheint vielen Menschen eine elitäre Ein­richtung, die von der normalen Welt abgeschlossen ist. Das Karlsruher Staatstheater selber scheint sich aber überhaupt nicht abzuschließen.

Konstantin Küspert: Das Staatstheater ist ja kein reiner Kunstbetrieb, sondern wir machen Kultur und haben damit auch einen Bildungsauftrag und einen Repräsentationsauftrag in der Stadt, d.h.: Wir machen für viele verschiedene Leute Theater. Wir wollen eben nicht nur unser Abonnentenpublikum erreichen, sondern auch ganz neue Schichten erschließen. Ob mit der Gründung des Jungen Staats­theaters oder Projekten für Migranten und für Menschen, die nicht aus einem akademisch geprägten Hintergrund kommen: Es gibt ein großes Bestreben von der Leitung des Theaters, diese ansonsten hermetisch wirkende Institution Theater zu öffnen.

SM: Was bringt einen Theatermacher dazu, sich mit den Methoden seiner Welt eines aktuellen Problems anzunehmen?

KK: Ich begreife meinen Auftrag vielleicht als eine Mischung aus Volkshochschule, Zeitung und Kulturbetrieb. Und dabei greifen wir auch, denn auch das ist unsere Aufgabe, Themen auf, die die Gesellschaft bewegen, die einen Einfluss auf die Gesellschaft haben. Wir haben schon einmal, in einer ähnlichen Konstellation wenn gleich auch in einer größeren Gruppe ein aktuelles Thema aufgegriffen, zum Thema »NSU«, und so lag es nahe, wieder mit dem gleichen Regisseur Jan-Christoph Gockel und Thomas Halle, dem Schauspieler, ein aktuelles Thema aufzugreifen und nach theatralen Umsetzungen zu suchen.

Konstantin Küspert_webDer Autor und Dramaturg Konstantin Küspert. Foto: Susann Mathis

SM: Wie sieht eine solche Suche nach theatralen Umsetzungen aus – wenn man also weit darüber hinausgehen will, Gescheh­nisse einfach nur abzubilden oder vielleicht einen Protest zu schüren?

KK: Wir haben sehr lange recherchiert, wir haben uns mit vielen Leuten getroffen, unter anderem mit IT-Spezialisten von der Karlsruher Sicherheitsinitiative und Leuten aus dem Umfeld von Snowden. Wir haben sehr viel gelesen und uns zu Brainstor­mings immer wieder zusammengesetzt. Und dabei sind Fragen entstanden wie zum Beispiel: Kann es nicht sein, dass Snow-den einfach nur gegen Schimären kämpft? Daraus entstand das Bild, den Schauspieler in einer Szene wie Don Quijote gegen Windmühlen kämpfen zu lassen. Ein anderes wichtiges Bild ist die Überwachung. Dieses Gefühl, sich nackig zu machen vor den Überwachungsmechanismen der NSA – da haben wir dann eben den Schauspieler nackig gemacht. Wir haben alle sehr viel geschrieben, auch Thomas Halle, der Schauspieler, daraus haben wir dann destilliert und das Stück in einer sehr knappen Proben-phase – wir hatten eigentlich nur zwei mal eine Woche – zügig zusammengebaut.

Das Stück beginnt mit der Suche nach dem richtigen Bild – Ein einzelner Schauspieler, Thomas Halle, kommt auf die Bühne oder richtiger: er hat seine Garderobe am Rand der Bühne eingerichtet und tritt in die Mitte. Dort beginnt mit der Suche nach dem ersten Bild des Stückes. Mit einem Rubik’s Würfel in der Hand beschreibt er eine fiktive Szene in einem Mos­kauer Tunnel – eine Fahrt zur Person Edward Snowden. Doch er verwirft diesen ersten Versuch: »das wird nicht das erste Bild sein«. Viele weitere erste Bilder wird er noch ent- und verwerfen: Snowdens Begegnung mit den Journalisten Greenwald und Poitras oder die Aufzeichnung der Antwort von James Clapper vor dem US Kongress »No Sir, not wit-tingly«, Elemente aus der Geschichte und Szenen aus Snow-dens Biografie. Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, wo die Intention Snowdens herkommt, woraus sich dieser Charakter entwickelt hat, trifft er keine Entscheidung – dem Zuschauer bleibt die Wahl.

SM: Das bedeutet aber auch, dass auch für Autoren beim Thea­ter die Teamarbeit sehr wichtig ist, das stellt man sich norma­lerweise anders vor.

KK: Es gibt dieses klassische Autorending, dass man sich zurück­zieht für mehrere Monate und dann ein Werk entsteht, dass man aus sich heraus geschöpft hat. Jedoch gerade beim Theater ist es eine große Chance, einen Text gemeinsam mit dem Regisseur und den Schauspielern zu entwickeln, und gleichberechtigt daran zu arbeiten. Jeder mit der ihm gegebenen Speziali­sierung und dem im gegebenen Fokus. Das ist wesentlich effektiver, als wenn man sich einem solchen Stoff alleine nähert.

SM: Wie hat die Beschäftigung mit dem Thema Überwachung Sie und Ihre Kollegen verändert?

KK: Thomas Halle hat hier sicher den größten Sprung von uns allen gemacht. Er hatte sich vorher lediglich mit den Grundfunktionen seines Smartphones ausgekannt, seit unserer Recherche verschlüsselt er jede einzelne seiner E-Mails. Und kennt sich jetzt auch wirklich gut aus. Und ist auch in der Lage, beide nach Gesprächen mit den Zuschauern Fragen zu beantworten, die für das Stück inhaltlich relevant sind.

»Müssen wir doch erkennen, dass das iPhone, auf das wir alle so sehnlich warten, nur eine Wanze ist, mit der man zufällig auch telefonieren kann«, sagt der Schauspieler, bevor ein Überseekoffer auf die Bühne rollt und er mit den Zuschauern ein Tutorial beginnt: Der Schauspieler erläu­tert PGP Verschlüsselung – Pretty Good Privacy – für alle. Während er die einzelnen Schritte der Verschlüsselung erläu­tert, wird ihm aus dem Überseekoffer ein Kettenhemd überge­streift, eine Rüstung über das Ketten­hemd gezogen. Bei dem Schritt, dass er nun eine Signatur und ein kleines Schloss in seinem Mailprogramm besitzt, wird die Rüstung um gepanzer­te Arme ergänzt. Am Ende verteilt er Rüstungen im Zuschauerraum, um über­haupt mit ihnen kommu­nizieren zu können. Doch »er fühlt sie nicht«. Entwe­der sicher oder nackt, lautet seine Schlussfolgerung.

SM: Informationstechnologie spielt eine große Rolle in unse­rem Leben heute und mutet dann in diesem Zusammenhang auch sehr bedrohlich an, umso mehr, da nur noch Spezialisten verstehen, was da geschieht. Wie war es, das Thema mit IT-Spezialisten zu behandeln?

KK: Was uns zum Beispiel am Anfang immer fasziniert hat, war die Sprache der Spezialisten. Wenn es darum geht, ob eine Ver­schlüsselung sicher oder weniger sicher ist, dann lautet etwa ein Argument: »das ist sehr starke Mathematik«. Das klingt für Außenstehende natürlich erst mal ein wenig wie »das ist sehr starke Magie«. Es war sehr lehrreich zu sehen, wie die Infor­mationstechnologie in unser alltägliches Leben eingreift. Sie ist grotesk omnipräsent und gleichzeitig ist uns in dieser Phase zum ersten Mal klar geworden, dass es sich im Prinzip nur um komplexe Rechenaufgaben handelt.

SM: Snowden ist ja eine erstaunliche Figur. Er verschließt sich seinen Erkenntnissen nicht, sondern zieht seine Konsequen­zen. Inwieweit ist Snowden ein Held, eine Ausnahmeerschei­nung?

KK: Oberflächlich betrachtet taugt Edward Snowden wirklich nur sehr bedingt zum Helden. Er ist dieser blasse, nerdige Compu-tergeek, der am Anfang auch immer mit dieser geklebten Brille aufgetreten ist. Man weiß von ihm, dass er sich freiwillig für den Kriegseinsatz gemeldet hat, sich aber dann im Trainingslager beide Beine gebrochen hat. Er entspricht dem Klischee eines introvertierten, schmächtigen Nerds und nicht dem Klischee des Superman. Viele Informationen aus seinem Privatleben hält er zurück. Auch das mindert seine mediale Verwertbarkeit. In anderer Hinsicht taugt er dann aber doch zum Helden, nämlich weil er systematisch ein Ziel verfolgt hat. Denn hat sich ja wirk­lich einstellen lassen mit dem Ziel, diese Daten zu stehlen, dann hat er über eine lange Zeit schon den Kontakt zu Greenwald und Poitras aufgenommen – d.h. er hat sich über lange Zeit hinweg in Gefahr begeben. Das war keine Kurzschlusshandlung. Und das erfordert viel Mut. Er hat ein gefestigtes Set an moralischen Regeln und denen ist er gefolgt. Und das war sicherlich nicht leicht für ihn und das ist vielleicht wiederum das, was ihn tat­sächlich zum Helden macht. Für uns ist er in jedem Fall ein Held.

„Ich bereue nichts“. Ein NSA-Projekt von Jan-Christoph Gockel, Thomas Halle & Konstantin Küspert.

 

Vier Fragen an den IT-Sicherheitsexperten Dirk Fox, einer der Partner in der Recherche und Vorbereitung des Theaterstücks:

1 Die Autoren des Stücks »Ich bereue nichts…« wurden von Euch, das heißt von der Karlsruher IT-Sicherheitsinitiative beraten. Wie kam der Kontakt zustanden und was hat Euch als IT-Spezialisten daran interessiert?

Dirk Fox: Die Autoren hatten sich an das CyberForum gewendet, um Kontakt zu Spezialisten im IT-Sicherheitsbereich herzustellen. Für uns ist es eine ganz großartige Geschichte, dass sich Künstler mit dem Thema IT-Sicherheit, Big Data, Verschlüsselung etc. beschäftigen. Wir erreichen schon mit den Anti-Prism-Parties sehr viele Menschen, aber über das Theater wird nun noch mal eine ganz neue Gruppe von Menschen angesprochen.

2 Konstantin Küspert, einer der Autoren sagte, für ihn klinge »starke Mathematik« wie »große Magie«. Wie ist es umgekehrt für Euch gewesen, mit den Künstlern mathema­tische Themen zu bearbeiten?

Dirk Fox: Gerade das Thema Verschlüsselung ist eines unserer Tech­nikthemen, das am weitesten weg ist von der Kunst. Kunst will das Gegenteil von verschlüsseln, Kunst will öffnen. Die beiden Themen sind wie Feuer und Wasser. Verschlüsselung und Daten-schutz behandelt viele technische und darüber hinaus auch noch rechtliche Detailfragen, die sehr trocken sind und von Außenste-henden nur schwer zu fassen. Dennoch haben wir eine Brücke gefunden und zwar die Persönlichkeit von Edward Snowden. Über seine – wahre – Heldengeschichte und die Frage: »Warum hat er sein Leben geopfert?« sind wir das Thema gemeinsam angegangen.

3 Ist denn Kunst oder speziell das Theater überhaupt ein auch für die Zukunft gangbarer Weg, schwierige Tech­nikthemen für eine breite Öffentlichkeit verständlich zu machen?

Dirk Fox: Ich finde es hervorragend, wie sich die Künstler in das Thema hinein gearbeitet haben, denn ganz klar kommt hier auf die Kunst eine große Rolle zu. Wir haben ja auch schon im Vorfeld Anti-Prism-Partys veranstaltet und dabei große Unterstützung vom ZKM und seinem Leiter Peter Weibel bekommen, denn er hat ganz klar gesehen und argumentiert: Das Thema hat mit Freiheit und damit originär auch mit Kunst zu tun.

4 Wie gefällt dir das Ergebnis?

Dirk Fox: Ich bin begeistert. Die Autoren haben großartige Bilder gefunden. Das Stück wirft viele Fragen auf, die es – natürlich – nicht beantworten kann. Das kann das Theater den Zuschauern nicht abnehmen.

Aber das Wichtige ist: Das Stück bietet vielen Menschen einen Zugang zu der Frage, welche Implikationen die Technik auf unsere Gesellschaft hat und damit ist es wegweisend. Was die Kunst natürlich nicht kann, das ist, die Blackbox aufzuboh­ren. Sie kann das Technikding nur umkreisen, sie kann nicht eintauchen, aber das liegt in der Natur der Sache.

Dirk Fox: Vorstand des Cyberforum e.V., Geschäftsführer der Secorvo Security Consulting GmbH und Ini­tiator der Karlsruher IT-Sicherheitsinitiative (KA-IT-Si), ist Diplom-Informatiker und  beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit Fragen der Informationssicherheit und des Datenschutzes in Forschung, Entwicklung und Beratung.

erschienen im VKSI Magazin 12

WIEDERAUFNAHME 11.10.2015 STUDIO, Termine

Preis für Thomas Halle

Der Schauspieler Thomas Halle erhielt für seine Leistung in der Inszenierung den diesjährigen Günther-Rühle-Preis. Die Jury des Günther-Rühle-Preises bezeichnete den Preisträger Thomas Halle in ihrer Begründung als »virtuosen Spieler und als jemanden, der zum Denken anregt«. Halle stelle sich in »Ich bereue nichts« »dem Phänomen Edward Snowden und der durch ihn ausgelösten Überwachungs-Debatte« mit »Dring­lichkeit und Unbedingtheit«, er bringe »sich und seine Person buchstäblich selbst ins Spiel und wird so im besten Sinne Iden-tifikations- und Spiegelungsfigur für uns, die wir dem Thema der totalen Überwachung bislang wohl mehr oder weniger indifferent (bis ignorant) gegenüberstanden«.

 

Interview mit Uncle Bob

Der US-amerikanische Softwareentwickler Robert C. Martin, auch bekannt als „Uncle Bob“, arbeitet seit den 1970er Jahren in diversen Softwareentwicklungsprojekten, initiierte 2001 die Entwicklung des Agilen Manifests, das Fundament agiler Softwareentwicklung und ist führendes Mitglied der Software Craftsmanship Bewegung. Im Anschluss an ein zweitägiges Seminar in Karlsruhe nahm er sich Zeit für ein Interview mit dem VKSI-Magazin. Interview+mit+Bob+Martin (engl.)

Mister FZI: Professor Peter Lockemann

1972 wurde in Karlsruhe die Fakultät für Informatik gegründet, im ­gleichen Jahr trat auch Peter Lockemann seine Professur in Karlsruhe an. Das Leben des 1935 geborenen Lockemanns ist durchgängig eng mit der Entwicklung der Disziplin Informatik verbunden – auch wenn diese am Anfang noch gar nicht so hieß. Er hat – unter anderem – das FZI mitgegründet, über ­hundert wissenschaftliche Artikel und vier Lehrbücher geschrieben, er hat regelmäßig Gastprofessuren im Ausland und Berateraufgaben für Ministerien wahrgenommen und zehn seiner Studenten sind heute selber Professoren. 2005 wurde Lockemann das Verdienstkreuz am Bande verliehen, die Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität verlieh ihm 2003 für seine Verdienste in der Forschung und als Förderer des Wissenstransfers in die Unternehmenspraxis die Ehrendoktorwürde. Ich treffe ihn in seinem Büro im Forschungszentrum Informatik, wo er dem VKSI-Magazin für die Reihe KARLSRUHER KÖPFE einige Fragen beantwortet.

Herr Professor Lockemann, wann und wie sind Sie während Ihres Studiums der Nachrichtentechnik zur Rechnertechnologie gekommen?

Prof. Lockemann: Als Robert Piloty frisch habilitierter Privatdozent in München war, hörte ich 1956, während meines Studiums der Nachrichtentechnik, seine Vorlesung über die Grundzüge der Rechnertechnik von. Als Deutschland 1954 erlaubt wurde, Forschungsprogramme im Bereich Rechnertechnologie einzurichten, entwickelte sein Vater Hans Piloty zusammen mit dem Mathematiker Robert Sauer an der TH München die PERM (Programmgesteuerter Elektronischer Rechenautomat München). Die PERM wurde lange Jahre im Rechenzentrum der TH München und bei der Ausbildung von Entwicklungsingenieuren für die deutsche Computerindustrie benutzt. Heute steht sie im Deutschen Museum in München. Ich habe als Werkstudent dort erst mal Schaltkreise verlötet und Magnetköpfe für den Trommelspeicher zusammengebaut , meine Diplomarbeit zum Magnetkernspeicher gemacht, promoviert habe ich dann in Transistortechnik.

1963 sind Sie nach der Kalifornien ausgewandert, um dort am Caltech zu arbeiten. Das California Institute of Technology, gehört laut diversen Rankings zu den zehn besten Universitäten der Welt. Womit haben Sie sich dort beschäftigt?

Prof. Lockemann: Das waren prägende Jahre. Zum einen bin ich erst dort mit der Softwaretechnik – naja, das war eigentlich noch Programmierung – in Berührung gekommen. Zum zweiten gab es dort gar keine Computer Science, sondern ein »Information Science«-Programm, das anwendungsgetrieben war. Zunächst habe ich in einer Gruppe gearbeitet, die Biosignale ausgewertet hat: Wir haben Experimente mit Sonden in Fliegen­augen durchgeführt und schon damals große Datenmengen produziert und ausgewertet. Später wechselte ich in eine sozialwissenschaftliche Gruppe, die Sprachwissenschaft in Verbindung mit der Auswertung anthropologischer Daten betrieb. So bin ich mehr oder weniger zufällig in die Datenbanktechnik geraten. Wir haben viel experimentiert und waren eine der ersten, die Recovery-Techniken und einen softwarebasierten virtuellen Speicher entwickelten. Unser Datenbanksystem war graphbasiert – damals nicht unüblich, aber erst heute wieder aktuell. Doch unsere Ansätze haben zu wenig Leistung gebracht. Rückblickend wäre das die Zeit gewesen, zu IBM zu wechseln.

Nach sieben Jahren sind Sie 1970 dann doch wieder zurück nach Deutschland gegangen.

Prof. Lockemann: Meiner Frau und mir hatte es in Kalifornien sehr gut gefallen, doch die Kinder waren klein und wir wollten eine klare Entscheidung für ihre Schulzeit treffen. In Deutschland habe ich dann in Bonn bei der GMD (damals: Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung mbH) gearbeitet und war involviert in ein Projekt zur Entwicklung eines juristischen Informationssystems. Dieses Fachinformationssystem stellte die Gesetzeslage und die Urteile für Juristen in einem »Information Retrieval System« zusammen und – darauf bin ich durchaus stolz – existiert heute noch. Von Karlsruhe erhielt ich dann die Aufforderung, mich um den Lehrstuhl Programmiersprachen zu bewerben. Das habe ich allerdings abgelehnt, aber Universitäten waren von jeher flexibel, und wir haben uns auf eine Widmung in Richtung Datenbanken geeinigt.

Sie haben in einer Zeit in der Informatik begonnen, als dieses Fachgebiet noch ganz jung war und Experten noch alle Teildisziplinen überblicken und durchschauen konnten…

Prof. Lockemann: … hier sollte man sich keine Illusionen machen, diese Phase ging sehr schnell vorbei. Schon als ich Anfang der Siebzigerjahre nach Karlsruhe kam, war das Gebiet so breit, dass man nicht mehr überall in die Tiefe gehen konnte.

Sowohl in Deutschland wie auch in den USA hat man sich allerdings schwergetan, diese Disziplin zu akzeptieren. In den Vereinigten Staaten zum Beispiel war Computer Science, wie dort Informatik hieß und immer noch heißt, viel enger aufgestellt. Mein Bereich, Datenbanktechnik, war lange Zeit nicht einmal Teil der Computer Science sondern bei den Business Schools mitgelaufen.

Ich selber bin durch meine Erfahrungen mit Anwendungen geprägt worden und habe diese auch immer gesucht. Später waren dies vor allem Produktionstechnik, Elektronikentwurf, Verkehrswesen und Gebäudearchitektur. Ich habe deshalb immer stark interdisziplinär gearbeitet. Ich habe mich auch nicht als reinen Technologen gesehen. Neue Anwendungen bedürfen aber natürlich auch neuer Technologien, und ich hatte auch immer Mitarbeiter, die sehr erfolgreich diese Technologien entwickelten. Vielleicht wäre es korrekter zu sagen, dass ich eine Neigung zu top-down Vorgehen habe. Ich habe deshalb den Datenbankbereich immer als Softwaretechnik verstanden und dort als ausgesprochene Systemtechnik. Ähnlich wie bei Betriebssystemen habe ich Architekturfragen als zentral gesehen.

Um welche Probleme zu lösen?

Prof. Lockemann: Nichtfunktionale Kriterien wie Performanz haben über 30 Jahre lang die Datenbankarchitektur dominiert, genauer die Langsamkeit des Hintergrundspeichers im Vergleich zum Hauptspeicher. Auf diesem Missverhältnis bauten die Architekturfragen auf, also: Wie lässt sich die Zugriffslücke überbrücken, so dass sie in der Anwendung nicht in Erscheinung tritt? Und so wie die Bedarfe gewachsen sind, so ist auch das Problem größer geworden. Die Übertragungsrate von der Platte in den Hauptspeicher hat sich von etwa 1 MB/s 1970 auf etwa 250 MB/s 2010 gesteigert. Heute beträgt die Zugriffslücke etwa 106, so stark unterscheiden sich heute die Geschwindigkeiten beim Zugriff auf Hauptspeicher und Hintergrundspeicher (Platte). Nun hat mit der Marktreife der SSD ein ganz neues Kapitel begonnen.

Dazu kamen über die Jahre Gastprofessuren am CalTech und am MIT, und Beraterfunktionen bei Wirtschaft und Ministerien und – für Karlsruhe besonders bedeutend – 1985 gründeten Sie gemeinsam mit mehreren Kollegen das Forschungszentrum Informatik Karlsruhe (FZI), waren dann lange Zeit dessen Vorstand (daher Ihr Spitzname »MisterFZI«). Was war Ihr wichtigstes Motiv dafür?

Prof. Lockemann: Um es mit dem modernen Slogan des KIT zu sagen: Innovation. Innovation ist der Transfer von Forschungsergebnissen in die wirtschaftliche Nutzung. Das Ziel des Forschungszentrums Informatik war und ist der Technologietransfer von der Forschung in der Karlsruher Informatik in die Wirtschaft. Wir waren damals acht Professoren, und hatten rein altruistische Motive, wenn man mal davon absieht, dass wir uns natürlich über zusätzliche Ressourcen für die Forschung gefreut haben. Für jeden persönlich bedeutete das aber viel mehr Arbeit.

Sind Sie mit der Entwicklung des Forschungszentrums Informatik zufrieden?

Prof. Lockemann: Ich bin ja nur noch – wenn auch sehr engagierter – Beobachter. Ich bin begeistert, was die jungen Kollegen in den letzten Jahren daraus gemacht haben. Ich hatte am Ende eine neue und wie es scheint schlagkräftige Organisation umgesetzt. Zunächst war das FZI auf einzelne Professoren zugeschnitten, heute gibt es vier große, kollegial geführte Forschungsbereiche, die sich als eine sehr gutes Basis für Wachstum erwiesen haben.

Inhaltlich hat sich das Bild seit der Jahrtausendwende komplett geändert. Angefangen haben wir mit »Informatik für die industrielle Produktion«. Heute ist das FZI viel breiter aufgestellt – kein Wunder, wenn man bedenkt, dass Informatik heute in alle Lebensbereiche eindringt. Ich kann das an meiner eigenen Disziplin sehen, wo sich unter dem Stichwort »Big Data« sich vollkommen neue Herausforderungen herausbilden: eine enorme Informationsmenge im Web, relativ unstrukturiert und textorientiert, dazu embedded systems, die Datenströme überall erfassen, und schließlich die globale Verteilung der Daten.

Welche Schwierigkeiten musste das FZI dabei überwinden?

Prof. Lockemann: Natürlich hat das Forschungszentrum Informatik das Auf und Ab der Wirtschaft mitgemacht, übrigens immer etwas zeitverzögert. Anfangs kamen unsere Kunden aus den F. & E. Abteilungen der Großunternehmen. Als diese Anfang der Neunzigerjahre sukzessive abgebaut wurden, hat das Forschungszentrum Informatik sich extrem stark auf den Mittelstand konzentriert. Das hat uns damals zwar politisch großes Lob eingebracht, uns aber auch behindert, da wir sehr viel Zeit für die Akquise aufwenden mussten. 2002 hat uns das in echte Schwierigkeiten gebracht. Die bieten aber eben auch Chancen und die wurden – auch dank des Generationenwechsels – hervorragend genutzt.

Mit seinen klar gesetzten inhaltlichen Schwerpunkten hat sich das Forschungszentrum Informatik deutlich als Zentrum für Innovationen im IT-Bereich positioniert. Somit ergänzt es sich hervorragend mit der Fakultät für Informatik und ist heute weit über die Grenzen von Baden-Württemberg hinaus anerkannt.

Vor 40 Jahren wurde die Fakultät gegründet, vor 40 Jahren haben Sie Ihre Professur angetreten – und Sie sind unverändert präsent in der IT-Szene. Womit beschäftigen Sie sich heute vor allem?

Prof. Lockemann: Mir bleibt viel Zeit für Privates, zum Beispiel beschäftige ich mich mit der Sprachförderung in Brennpunkt-Kindergärten und ich reise mit meiner Frau viel in der Welt herum.

Aber auch wenn ich vielleicht manchmal bedauern mag, dass ich mich zu früh und zu stark auf die Anwendungen der Informatik konzentriert habe, so habe ich doch einige Themen gefunden, die mich weiter faszinieren, aktuell sind das etwa über das Cyberforum die Projekte Smarter City der Stadt Karlsruhe und Smart Business IT des Landes. Um bei einem Projekt wirklich in die Tiefe zu gehen, braucht man ein großes Forschungsteam und das habe ich nicht mehr. Was ich dagegen kann, ist Projektideen entwickeln und mich an der Entwicklung der großen Linie beteiligen, und da bringe ich mich immer noch im FZI ein. Es erstaunt mich vielleicht selbst am meisten, aber es ist wahr: so schnell veralten Erfahrungen dann eben doch nicht.

Professor Lockemann, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Professor Stucky

Alles begann, als Professor Stucky den Stiftungslehrstuhl für Organisationstheorie und Datenverarbeitung (Mittlere Datentechnik) in Karlsruhe übernahm. Inzwischen sind 40 Jahre vergangen, in denen Professor Stucky das AIFB mit gründete und eine so große Zahl wirksamer Aktivitäten initiierte, dass er dafür (nicht nur) das Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse bekam. Obwohl inzwischen emeritiert, arbeitet er nicht weniger. „Mein Hobby ist mein Beruf“, sagt er dazu nur. Dem VKSI Magazin stand er trotzdem für ein Interview in der Reihe KARLSRUHER KÖPFE zur Verfügung.

Frage: Herr Professor Stucky, Sie haben in Saarbrücken Mathematik studiert, wie sind Sie in den 60er Jahren zur Informatik gekommen?

Antwort: Den Kontakt zur Informatik stellte ich schon während meiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für angewandte Mathematik her. Mein Doktorvater, Professor Hotz, war einer der Gründer der Gesellschaft für Informatik (GI) und nahm gleich alle seine Mitarbeiter in diese Gesellschaft mit. Daher habe ich auch eine sehr niedrige, nämlich zweistellige Mitgliedsnummer. Weiterlesen